Ungerechtigkeit bei Bitcoin? Ungerecht argumentiert!

Ungerechtigkeit bei Bitcoin? Ungerecht argumentiert!

Spannend an Bitcoin ist: Das Kryptoasset vermag alle politischen Lager für sich gewinnen. So soll eine Welt nach erfolgter Hyperbitcionisierung denn auch eine gerechter sein. Hiearchien, grosse Konzerne oder autoritäre Regime soll dann der Vergangenheit angehören oder zumindest stark zurückgedrängt worden sein. Es sind die Vorstellungen einer besseren Zukunft, die Linke, Rechte und Freiheitsliebende gleichermassen fasziniert. 

So verheissungsvoll die Perspektive, so bitter ist die derzeitige Wirklichkeit. Denn ausgerechnet die Bitcoin-Welt zeigt eine enorme Ungleichverteilung von Ressourcen, Einkünften, Einfluss und Aufmerksamkeit. Die sogenannte alte Welt, die Bitcoin zum Vorteile aller hinter sich lassen will, wirkt im Vergleich geradezu wie das Paradies. 

Bitcoin: Gini-Koeffizient Spitzenreiter

Dieser Umstände trügt für viele das Bild. Ein viel gehörte Kritikpunkt ist jener der Ungleichverteilung von Bitcoin-Vermögen. So ist das Kryptoasset immer noch äusserst stark von sogenannten “Whales” dominiert. Hochrechnungen zufolge sollen die Top 10 Prozent Bitcoin-Halter beinahe 93 Prozent aller Bitcoin-Einheiten besitzen. Im Vergleich dazu: Beim US-Dollar besitzen die obersten 10 Prozent immer noch 73 Prozent, was aber einiges unter der Marke von Bitcoin liegt. Unter dem Strich lässt sich sagen: Die Vermögensverteilung in der Bitcoin-Welt ist konzentrierter als jene in den ungleichsten Nationen dieser Welt.

Damit aber nicht genug. Über die vergangenen Jahre haben sich aus der Sicht einiger Kritiker weitere Abgründe aufgetan. So ist das Mining heute sehr kapitalintensiv, Normalbürger können sich dieses nicht mehr leisten. Es sind grosse Unternehmen, die das Mining heute dominieren. Genauso sind die Transaktionskosten von Bitcoin während des 2017-Hype auf zeitweise über 50 US-Dollar pro Transaktion angestiegen. Wie in aller Welt sollen das Normalsterbliche noch bezahlen können, waren die Einwände.

Ob dieser Ungleichheit in vielen Belangen sind denn auch einige frühe Bitcoin-Enthusiasten auf alternative Kryptowährungen übergesprungen. Neben Altcoins erlebten auch Bitcoin-Forks ihre Blütezeit. Klares Ziel: Diese inhärenten Fehlkonstruktionen, die Ungleichheit sowie Ungleichverteilung sollen behoben werden.

Wirklich reüssieren konnte bislang keines der Alternativprojekte. In vielen Metriken stehen die Altcoins gegenwärtig schlechter dar, insbesondere bei der Vermögensverteilung. Dort, wo sie besser sind, gilt es ebenfalls genauer hinzuschauen. So sind die Transaktionskosten oftmals tiefer, weil an anderer Stelle Abstriche gemacht worden sind. Beispielsweise bei der Möglichkeit einen vollwertigen Knoten zur Validierung des Netzwerks betreiben zu können. Nicht wenige Altcoins zeigen hier eine beträchtliche Konzentration und Zentralisierung.

Unnatürlicher Zustand

Die Ungleichverteilung bei Bitcoin ist also nicht in Abrede zu stellen. Natürlich lässt sich anfügen, dass sich diese über die vergangenen Jahre verbessert hat. Ebenfalls gilt es zu erwähnen, dass Statistiken zur Messung von Ungleichverteilung von Bitcoin-Vermögen hohe Fehlerquoten aufweisen können, da eine Adresse mit einer großen Anzahl Bitcoin-Einheiten auch mehreren Personen gehören kann.

Letztlich muss allerdings auch nichts schön geredet werden. Folgender Hinweis über die Verhältnisse realer Entwicklungen vermag vielleicht etwas die Emotionalität aus diesem Thema nehmen: Ein organisch, emergent wachsendes Phänomen wie Bitcoin ist niemals gleichverteilt. Denn Gleichverteilung ist ein unnatürlicher Zustand für lebendige Strukturen. Gleichverteilung bedeutet Erstarrung oder etwas drastischer ausgedrückt: Tod. 

Die Ungleichheit bei Bitcoin ist ein Indiz dafür, dass sich die Welt innovativ weiterentwickelt. Wie in der Natur zeigen auch spontane Marktphänomene, wie Bitcoin eines ist, Potenzgesetze. Ein freie und spontante Entwicklung geht da immer mit starken exponentiellen Divergenzen einher. Ungleichheit ist häufig die Konsequenz freien Zugriffs, globaler Zugänglichkeit, niedriger Eintrittsschwellen. 

Statische versus dynamische Ungleichheit

Der Begriff der Ungleichheit wird viel zu oft bloss als monolithische Sache angesehen. Dabei ist die Unterscheidung zwischen statischer und dynamischer Ungleichheit eminent wichtig. Aufgrund der Dezentralität, der hohen sozialen Skalierbarkeit, der globalen Zugänglichkeit und des erlaubnisfreien Zugriffs zeigt Bitcoin eine hohe dynamische Ungleichheit.

Diese gilt es allerdings der statischen Ungleichheit gegenüberzustellen. Organisierte, geplante Strukturen zeichnen sich oftmals durch eine niedrige dynamische Ungleichheit aus, doch ist die statische Ungleichheit umso grösser. Diese manifestiert sich in festgezurrten Verhältnissen, hohen Eintrittsbarrieren und geringer sozialer Mobilität. 

In Systemen mit hoher statischer Ungleichheit, und eine solche zeigen insbesondere unsere westlichen Volkswirtschaften immer stärker, werden Ungleichverteilungen einfache zementiert. Im Gegensatz dazu sieht man bei Bitcoin vielmehr eine hohe Fluktation bei der Ungleichverteilung. Das ist ein Hinweis, dass Aufstiegschancen viel eher intakt sind.

Abschliessend wollen wir Alex Gladstein,  Chief Strategy Officer bei der Human Rights Foundation, zitieren: “Ja, wohlhabende Menschen, Unternehmen und Regierungen können sich sehr wohl mehr Bitcoin aneignen als andere. Aber egal wie reich sie sind, sie können die Regeln nicht ändern, keine Ersparnisse konfiszieren, keine Transkationen zensieren, keinen Zugriff verweigern oder mehr Bitcoin drucken. Das ist ziemlich einzigartig!”

Dieser Artikel wurde mit der freundlichen Unterstützung von Bitalo ermöglicht, der ersten vollständig von der BaFIN regulierten Kryptobörse in Deutschland (https://bitalo.de).

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